Jochen Dedeleit von der Schwäbische Zeitung im Poledancestudio Langenargen

SPORT LOKAL 01.02.2015 (Aktualisiert 14:58 Uhr)Jochen Dedeleit Poledance ist kein Tabledance Der Stangentanz ist weit mehr – Irina Mauch lehrt diesen Sport
Irina Mauch inmitten der Trainingsgruppe lehrt den Stangentanz. Bild vergrößern

Irina Mauch inmitten der Trainingsgruppe lehrt den Stangentanz. ded Langenargen ded Hamburg, St. Pauli. Tausende Touristen zieht es Abend für Abend die Reeperbahn hinunter, viele von ihnen verschwinden im Laufe der Nacht in eine der zahlreichen Tabledance-Bars. Der oder die eine oder andere ist jedoch enttäuscht, wenn er oder sie die Tänzerinnen an den Stangen beobachtet… Schauplatzwechsel. Der Sportpark Langenargen. Irina Mauch bittet zum Tanz an den Stangen. Auch hier sind die Kursteilnehmerinnen knapp bekleidet, doch das hat andere Gründe.
Die nächsten zwei Stunden wird hart gearbeitet, der Schweiß fließt, doch wie in der Rhythmischen Gymnastik oder dem Eiskunstlaufen darf dies nicht auffallen, der Gesichtsausdruck muss jederzeit stimmen. Und das tut er zumeist, denn die Frauen haben ihren Spaß. Irina Mauch gibt sich keinen Illusionen hin. „Das wird eine Randsportart bleiben. Und wir werden auch in Zukunft auf Tabledance-Bars angesprochen. Aber das Ziel ist, noch mehr Leute mit dem Pole-Virus zu infizieren.“ Auch auf der Homepage ist nachzulesen, dass es „den Striptease-Clubs und den dort arbeitenden Tänzerinnen zu verdanken ist, dass die Bewegungen so sexy und erotisch geworden sind“. Die 28-Jährige lacht, als sie ihre ersten Instruktionen gibt. „Umziehen, Schmuck runter.“ Und gibt zu bedenken: „Du hast hier einige Druckpunkte. Das tut weh.“ Die gebürtige Kasachin weiß, wovon sie spricht, sie ist seit 2010 dabei.
Mit ihrem Lebenspartner Roman Carevic, dem Gründer des Bodensee-Gyms und Trainer des Deutschen Juniorenmeisters Karim Regreg (18), hat sie in Langenargen-Bierkeller ein eigenes Domizil gesucht und gefunden. Im Sportpark wird mit Muay Thai eine der härtesten Kampfsportarten überhaupt sowie Poledance unterrichtet. Irina Mauch ist für Letztgenanntes zuständig, auch wenn die begeisterte Kampfsportlerin 2013 Landesmeisterin beim Muay-Thai war (bis 57 kg). „Aber das war zeitlich nicht mehr unter einen Hut zu bringen“, sagt die Studiobesitzerin, die sich schließlich auch auf die DM und vielleicht gar WM im Poledance vorbereiten muss.


Die Basis ist der Tanz um die Stange sowie die akrobatischen Elemente in der Luft, die der Zirkusakrobatik des Chinese Pole entstammen. Pole- dance trainiert Kraft, Flexibilität, Eleganz sowie Ästhetik und Stars wie Angelina Jolie, Kate Hudson und die Pussycat Dolls haben Poledancing schon für sich entdeckt. „Ich musste meine blauen Flecken auch schon erklären“, lacht Carolin Bätzner. „Normalerweise kommt es gut an, viele sind interessiert“, sagt die 37-Jährige, die dem Chronisten seine Eindrücke aus Hamburg bestätigt: „Was ich dort gesehen habe, war teilweise richtig blamabel.“
Kein Fan von Gewichten

Ihre Freundin Sonja Beuerlein kam zu dem außergewöhnlichen Sport, als sie das Auto mit der Aufschrift „Freaky Fitness“ gesehen habe. „Ich bin kein Fan vom Gewichtestemmen, aber auch hier musst du dranbleiben, denn ohne Kraft macht es keinen Spaß. Seither habe ich außerdem keine Rückenprobleme mehr“, so die 27-Jährige.
Mittlerweile ist die erste Ausgabe des Pole-Dance-Magazins „Pole Art“ erschienen, unter den Ergebnissen der letzten Deutschen Polesport-Meisterschaft ist auch der Name Irina Mauch zu finden. Die Langenargenerin, die im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern und ihren Schwestern Anna und Regina aus Kasachstan nach Aulendorf kam, sicherte sich mit Simone Fluhr (Bad Schussenried) den Titel im Doppel (und Rang 16 bei der WM). Im Einzel wurde Mauch Fünfte, diese Platzierung wolle sie am 9./10. Mai im Ruhrpott unbedingt verbessern, um vielleicht auch im Einzel Ende Juli bei der WM in London starten zu können.


„Das Poledance ist vielseitig. Manche tanzen nicht gerne, dann muss ich natürlich zu keiner DM. Und wenn ich die Pole-Techniken nicht beherrsche, brauche ich wiederum keine Choreografie.“ Unverzichtbar ist hingegen flüssiges Magnesium, um das Sportgerät im Griff zu haben. „Ich bin jetzt sieben Monate dabei, es ist nicht so schwer. Aber wenn ich erzähle, was ich mache, werde ich oft gefragt, wo ich arbeite“, lacht Andrea Kaa (20), die im Gegensatz zu ihrer Freundin Simona Dressel (25) die DM als ein Ziel angibt.


Eines verbindet aber wohl alle: die, die den Sport in luftiger Höhe nur belächeln, einmal mit offenem Mund dastehen zu sehen – und „da unten“ zurückzulassen.

(Erschienen: 01.02.2015)
Quelle: Jochen Dedeleit (Schwäbische Zeitung) Fotos: Jochen Dedeleit (Schwäbische Zeitung)

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